Zur Kundgabe
Dies hier ist keine amtliche Schriftrolle der Veranstalter, sondern eine persönliche Chronik eines Besuchers, niedergeschrieben im Geiste von Markt, Lager, Feuer, Musik und Begegnung.
Sie kündet von den Eindrücken des Gaudiums zu Waltrop, von Regen und Sonne, von kleinen Rittern, offenen Worten, fleißigen Händen und jenem besonderen Zauber, der entsteht, wenn Menschen mit Herzblut ein solches Treiben möglich machen.
Wer den offiziellen Pfad zur Veranstaltung sucht, der folge diesem Wegweiser:
Zur Heimstatt des Mittelalterlich Gaudiums
Tag 1
Wahrlich, der Auftakt des Gaudiums war gar herrlich anzuschauen, auch wenn der Himmel seine Schleusen öffnete und manch einem eine ungebetene Dusche verpasste.
Für Speis und Trank war reichlich gesorgt, sodass kein Magen knurren und keine Kehle dürsten musste. Die Händler und Handwerker boten gar wunderbare Schätze feil, und auch die Lager waren mit viel Liebe und Augenschmaus hergerichtet.
Besonders erfreulich war das treffliche Programm für die kleinen Knappen und Maiden. Mein vierjähriger Ritter Tollpatsch konnte sich nach Herzenslust austoben und hatte sichtbar seine helle Freude daran.
Auch Musik, Gaukelei und allerlei Darbietungen fürs Auge vermochten es, einen für eine Weile aus der heutigen Welt zu entführen und mitten hinein in eine mittelalterliche Zeit voller Klang, Feuer, Handwerk und Leben. Dabei wart festzustellen dass der ungewohnte neue Aufbau, gar nicht so übel erscheint, denn es konnten neue Perspektiven betrachtet werden.
Umso mehr freue ich mich nun auf die verbleibenden drei Tage (Fr/Sa/So) dieses schönen Gaudiums.
Außerhalb des eigentlichen Gaudiums trieben sich Wegelagerer herum, die, die Besucher abfingen, Taler aus dem Säckl ziehen wollten – für CDs und oder Alben einer Musikgruppe aus fernen Landen, die es in dieser Form gar nicht mehr gibt. Diese Gestalten gehörten nicht zum Gaudium und der Vorfall wurde natürlich der Gaudiums Obrigkeit umgehend gemeldet.
Tag 2
Wahrlich, der zweite Tag des Gaudiums zeigte sich von gar freundlicher und sonniger Gestalt.
Zur sechzehnten Stund’ ward das bunte Treiben erneut eröffnet, und diesmal war der Himmel den Besuchern hold. Kein Regen fiel hernieder, keine ungebetene Dusche suchte die Gewänder heim – nein, die Sonne lachte über dem Platze, und so wandelte es sich gar angenehmer durch Markt, Lager und allerlei Volk.
Auch der neue Aufbau, der am ersten Tage noch ungewohnt erschien, fügte sich nun mehr und mehr ins Gesamtbild. Was zuvor fremd anmutete, offenbarte nun neue Wege, neue Blickwinkel und manch schöne Sicht auf das lebendige Treiben.
Mein kleiner Ritter Tollpatsch zog abermals voller Tatendrang durch das Gaudium und nahm die Welt der Knappen, Gaukler und Spielleut’ mit leuchtenden Augen in Besitz.
Als der Abend nahte, ward dem Tage ein gar feuriger Abschluss bereitet: Eine vortreffliche Feuershow ließ Flammen tanzen, Funken steigen und den Platz in warmes Licht tauchen. Ein Schauspiel, das Auge und Herz gleichermaßen erfreute.
So sei vom zweiten Tage kundgetan: Der Himmel war gnädig, die Stimmung hell, der neue Aufbau gewann an Reiz – und das Ende ward mit Feuer und Glanz gekrönt.
Tag 3
Bevor ich abermals vom Wetter künde — welches, nebenbei gesprochen, am dritten Tage gar größtenteils trefflich und gnädig war, bis auf einen kurzen Moment — sei mein Blick heut’ nicht gen Himmel gerichtet, sondern auf jene gerichtet, die dieses Gaudium zu Waltrop mit Herz, Hand und Hingabe tragen.
Denn wahrlich, nicht gering ist die Tat, ein solch buntes und lebendiges Treiben ohne Wegzoll, ohne Eintritt und ohne fordernde Hand an den Toren zu ermöglichen. Kein Besucher muss Taler entrichten, um einzutreten in diese Welt aus Lagerfeuer, Marktgeschrei, Musik, Handwerk, Spiel und Freude.
Stattdessen lebt dies Gaudium vom guten Willen, vom Ehrenamt, von fleißigen Händen, von Zeit, die gegeben wird, ohne dass sie laut beklagt werde. Und von jenen Spenden, die nicht bloß Münzen im Säckel sind, sondern Saatgut für das kommende Jahr, auf dass auch künftig wieder Zelte stehen, Feuer brennen, Spielleut’ erklingen und Kinderaugen leuchten mögen.
Und siehe: Darin liegt ein gar besonderer Zauber.
Schon vom ersten Tage an fällt auf, dass hier die Förmlichkeit rasch ihr steifes Gewand ablegt. Ob Händler, Lagerleut’, Künstler, Veranstalter oder all die anderen guten Seelen auf dem Platze — man ist geschwind beim Du, als habe man sich nicht eben erst, sondern schon vor manchem Winter getroffen.
Man kann zu jedem treten, und selten bleibt ein Wort ohne Antwort. Hier findet sich ein Plausch, dort ein Lachen, dort eine Geschichte aus alter Zeit, von fernen Märkten, vergangenen Fahrten und manch wunderlicher Begebenheit. Und wer mit offenem Ohr lauschet, der erhält nicht selten noch eine kleine Lehrstunde obendrein: über Handwerk und Gewandung, über Waffen und Brauch, über Lagerleben, Musik und das, was ein solches Treiben erst mit wahrhaftigem Leben füllt.
Nach drei Tagen aber geschieht etwas, das sich schwer in schlichte Worte kleiden lässt: Die Grenzen beginnen zu schwinden. Veranstalter, Darsteller, Händler, Künstler und Gast stehen nicht länger bloß nebeneinander wie einzelne Figuren auf einem Platze. Nein, sie werden Teil eines gemeinsamen Bildes.
Man wandelt nicht mehr nur über ein Festgelände. Man schaut nicht mehr nur zu. Man trägt dieses Gaudium ein Stück weit mit sich, als habe es sich still und leise ins eigene Herz gesetzt.
Freilich, ich selbst bin kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Manch Künstler, manch Händler, manch bekanntes Gesicht begegnet einem auch auf anderen Märkten und Festen. Doch Waltrop hat seine eigene Wärme, seinen eigenen Klang, seinen eigenen Schlag im Herzen. Hier dünkt es einen weniger wie bloßes Programm und mehr wie ein gemeinsames Werk vieler Menschen, die mit Liebe, Zeit und Treue etwas erschaffen, das größer ist als die Summe seiner Stände, Zelte und Darbietungen.
So sei am dritten Tage feierlich kundgetan:
Das Wetter war trefflich, ja. Doch heller noch als die Sonne schien das Ehrenamt. Wärmer noch als der Tag war die Gemeinschaft. Und stärker als jedes Marktgeschrei blieb der Eindruck, dass dieses Gaudium nicht nur besucht wird.
Es wird gelebt.
Es wird getragen.
Und wer mit offenem Herzen kommt, der bleibt nicht lange bloß Gast.